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Schillers "Räuber" mal ganz anders

Karlstadter Realschüler mit großartiger Inszenierung im Theater in der Gerbergasse


KARLSTADT  Der heutigen Jugend die Gefühls- und Erlebniswelten der Literaturgiganten Goethe und Schiller schmackhaft zu machen, ist wahrhaft keine leichte Aufgabe. Wenn man aber beispielsweise Schillers „Räuber“ (sozusagen als edle Speise der Literatur) hernimmt, diese mit modernen Aspekten gut würzt und dem Ganzen vertraute gesellschaftliche Zutaten aus der heutigen Zeit beimischt, dann kann man Schiller am Ende vielleicht sogar zum Fressen gerne haben.


Foto der Aufführung

So lag Realschullehrerin Kristina Ackermann sicherlich goldrichtig mit der Entscheidung mit ihrer Theater AG das Stück „Räuber – Schiller für uns“ nach Marlene Skala auf die Bühne zu bringen. Das Theater in der Gerbergasse war gleich am Premierenabend voll besetzt.


Vereinfacht dargestellt, wurde für diese Inszenierung Schillers Männerstück „Die Räuber“ quasi operativ in ein Frauenstück umgewandelt un in die Jetztzeit „umgetopft“. Eine wichtige Basis für die dramaturgische Grundspannung lieferten Workaholic-Schriftsteller und Witwer Maximilian Moor (Fabian Breitenberger) und seine zwei Töchter Charlotte und Franziska, glänzend dargestellt von Tamara Binner, verkörpert die eifersüchtige Schwester, die sich von ihrem Vater seit jeher ungeliebt und benachteiligt fühlt und nicht davor zurückschreckt, gegen ihre vom Vater bevorzugte Schwester Charlotte (Leonie Matthias) zu intrigieren. Nach diversen Irrwegen ist die anfangs aufmüpfige, aber bisweilen reuige Charlotte, die durch die Intrigen ihrer Schwester an der Rückkehr ins bürgerliche Leben gehindert wird, zur charismatischen Wortführerin einer Mädchenbande avanciert. Nun hat sie klare anarchistische Ambitionen.


Emotional verstärkt mit den beiden Schwestern ist Charlottes Liebhaber Volker (Marcus Müller), den Franziska auch noch begehrt. Gewissermaßen ausgleichend hierbei wirkt Ruth (Lea Rothemel), eine Freundin der beiden Schwestern.


Komplettiert werden die familiären Verwerfungen mit dem hochexplosiven Gemisch der weiblichen Bandenmitglieder, zum Beispiel mit der temperamentvollen Materialistin „Spiegel“ (Sara Grundei), der verkrachten Schauspielerin Nelly Fuchs (Janine Hamm), der Feministen Waltraud Schwarz (Nina Marschall), der skrupellosen Fanatikerin und Fundamentalistin Grimm (Elena Dümmler) und der frustrierten Sozialarbeiterin Alice (Lara Ollmann). Und dann wären da auch noch die verwahrloste Minderjährige Sam (Acelya Durak) und die abgedrehte Computerfreakin ET (Antonia Galz). Einquartiert haben sich die tatenhungrigen Damen in einem heruntergekommenen Fabrikgebäude am Stadtrand.


Ja, und so nimm das Unheil seinen Lauf. Nach einem Raubüberfall mit Todesfolge und der Geiselnahme einer Polizistin (Katharina Trautenbach) zerfällt die anfangs beschworene Solidarität zusehends. Es stellt sich heraus, dass die jungen Frauen um Charlotte doch nur ihr persönliches Heldentum pflegen wollen.


Die gegensätzlichen Kräfte sind nicht kompatibel. Mithilfe einer Kommissarin (Lilly Lenes) werden Nachforschungen angestellt. Letztendlich wird das Quartier der schwerbewaffneten Bande von einer Spezialeinheit der Polizei umstellt. Kommt es zum blutigen Showdown?


Besonders bewundernswert bei der bestens durchstrukturierten und beherzt umgesetzten Inszenierung von „Räuber – Schiller für uns“ waren die pure Spielfreude und das schauspielerische Engagement der hochmotivierten Akteure, die immer wieder vom Publikum mit kräftigem Applaus belohnt wurden.


Autor: Robert Emsden
Quelle: Main Post, 09.07.2015

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